Richard Schirrmann

Richard Schirrmann - Lebenslauf

Richard Schirrmann15. Mai 1874
Richard Schirrmann in Grunenfeld bei Braunsberg im Kreis Heiligenbeil in Ostpreußen, heute Gronovko bei Braniewo in Polen, zirka 15 Kilometer südlich der Grenze zu Rußland, als ältester von sechs Kindern geboren.

1879 - 1887
Besuch der einklassigen Schule in Grunenfeld, die sich im Wohnhaus befand. Sein Lehrer war sein Vater August Schirrmann.

1887 - 1889
Besuch der zweiklassigen Schule in Eisenberg; nahe Grunenfeld, Schulleiter sein Großvater Benjamin Kurz

1889 - 1891
Berufswunsch Lehrer: Präparandenanstalt in Friedrichshof bei Ortelsburg für eineinhalb Jahre

1891
Erste große Fußwanderung durch die Johannisburger Heide

1891 - 1894
Lehrerseminar Waldau bei Königsberg

1892
Pfingstwanderung mit Seminarlehrer Fischer ins Riesengebirge. Danach Protest der Seminaristen gegen Zustände der Gängelei im Internat und Ausweisung Richard Schirrmanns vom Seminar

1894
Hauslehrerstelle auf dem Großgut Drebbenau bei Galtgarben im Samland mit 10 Kindern. Unterricht auch im Freien auf Wanderungen oder Fahrten mit dem Kutschwagen

14. - 20.2.1895
Ablegen der ersten Lehrerprüfung am Lehrerseminar in Karalene

Mai 1895 - 1898
Anstellung als Lehrer in einer zweiklassigen Kirchenschule in Königshöhe im Kreis Lötzen in den Masuren. Von 60 Schülern sprachen nur vier deutsch, deshalb viel Unterricht im Freien: Entstehung des Gedankens der "Wandernden Schule"

8.11.1898 - 1901
Versetzung an eine zweiklassige Schule in Schrombenen im Kreis Preußisch-Eylau. Fortsetzung seiner Schul- und Heimatwanderungen zu Fuß, mit dem Fahrrad, im Segelboot und im Winter auf Schlittschuhen. Besuch von Veranstaltungen und Kulturinstituten in Königsberg.

1901 - 1903
Lehrer an einer Schule in Gelsenkirchen - Bulmke im Ruhrgebiet. Fortsetzung des Unterrichtsprinzips der "Wandernden Schule", nun auch noch unter dem Gesichtspunkt der gesundheitlichen und seelischen Entwicklung - "Kinderelend im Industriegebiet".

1. 7.1903 - 1905
Volksschule in Altena-Rahmede. Fortsetzung "Wandernde Schule": Der Lehrer soll nicht nur Vermittler von Kenntnissen und Fertigkeiten sein, sondern auch ein Führer, Erzieher und Kamerad seiner Schüler, pädagogische Ziele der "Frischluft- und Freiluftschule". Zusammenstoß mit Schulleiter und Schulbehörde.

27.12.1903
Heirat mit Gertrud Willutzki, erste Ehe

6.12.1904
Geburt von Tochter Gertraud Schirrmann

1905 - 1922
Versetzung an die Nette-Schule in Altena, Rektor Twittenhoff

Pfingsten 1907
Erste Unterkunft im Lehrmittelraum der Nette-Schule für eine Wandergruppe von Berufsschülern

Entstehungsdaten Jugendherbergen

- bis zur ersten festeingerichteten JH der Welt auf Burg Altena 1912


15.05.1874
Richard Schirrmann in Grunenfeld/Ostpreußen + 14.12.1961 in Grävenwiesbach/Hessen

29. 11.1874
Wilhelm Münker in Hilchenbach/Westfalen + 20.9.1970 in Hilchenbach

1905
R. Schirrmann wird Mitglied des SGV = "Sauerländischer Gebirgsverein"

07.07.1906
R. Schirrmann und W. Münker begegnen sich: Kommission in Finnentrop, gemeinsame Wanderung zur Wegemarkierung für den SGV

Pfingsten 1907
Erste Unterkunft im Lehrmittelraum der Nette-Schule für eine Wandergruppe von Berufsschülern Sommer 1907

R. Schirrmann richtet in seinem Klassenraum in der Nette-Schule in Altena eine "Ferien-Herbergsunterkunft " mit Strohlagern ein

3./4.04.1909
R. Schirrmann gewinnt W. Münker anlässlich Hauptwege-Kommission des SGV zum Freund

1909
R. Schirrmann lernt bei einer Wanderrast zwischen Altena und Lüdenscheid Prof. Dr. Burghart Schomburg ("Schinkenklopfen") und dadurch auch den WV "Wandervogel" kennen

1909
Während dieser Jahre wanderte R. Schirrmann mit seinem Schülern als: "...Teil meines Unterrichts im Freien, damit die Natur, die Heimat und das Vaterland zum wahren Schulhaus werde ... als mein eigener Schulreformer ... zur Freilicht- und Freiluftschule ... im Dienste der Jugendertüchtigung ... " Lehrer als Volkserzieher ...

26.08.1909
Geburtsstunde des DJH-Werkes als Idee - in einer Gewitternacht im Schulhaus in Bröl im Bröltal auf einer achttägigen Wanderung R. Schirrmanns mit einer Schulklasse von Altena nach Aachen: Schaffung eines JH-Netzes über ganz Deutschland

1909
Einrichtung von "Volksschülerherbergen" als Ferienherberge in seiner Nette-Schule/Altena mit eisernen Bettgestellen, Aufnahme auch für Volksschüler und auch Mädchen, Verzicht auf Alkohol und Tabak.

1909
Erste Werbeaufrufe "...Vom Jugendwandern und welchen Gewinn ich mir davon verspreche, ...Vom wahren Reichtum eines Volkes - und was uns not tut" "Vom Gewinn des Jugendschulwanderns - Volksschulwanderns"

1910
Eine der größten deutschen Tageszeitungen, die Kölnische Zeitung veröffentlicht R. Schirrmanns Werbeaufruf s.o. - "...Was ist kostbarer als Gold und Goldeswert, ..." Daraufhin: großes Interesse aus dem In- und Ausland und größere Geldspenden.

1910
Davon werden die ersten drei Jugendherbergen als Ferienherbergen in Schulen eingerichtet: Altena/Nette-Schule (bessere Ausstattung), Herscheid/Sauerland, Radevormwald/Rheinland

04.06.1910
Hauptversammlung des SGV in Altena: R. Schirrmann wirbt für seine Idee und beantragt die Schaffung von "Schülerherbergen" - Antrag wird abgelehnt, aber er gewinnt WILHELM MÜNKER und Burghart Schomburg für seine Idee und als Mitstreiter

1910
R. Schirrmann unterbreitet seinen Plan für eine ständige Jugendherberge in der Burg Altena dem Magistrat der Stadt Altena

1911
17 JHn mit 2682 Übernachtungen plus 318 Notübernachtungen in Altena

18.05.1912
65 JHn mit 10823 Übernachtungen. Hauptversammlumg des SGV: Auf Antrag W. Münkers wird die Gründung des "Ausschuß für Jugendherbergen im SGV" beschlossen - Vorsitzender: R. Schirrmann, Geschäftsführer: W. Münker

01.06.1912
R. Schirrmann verlegt die Schul-JH in der Nette-Schule in die wiederhergestellte Burg Altena als erste eigenständige Jugendherberge der Welt. Die Eichenbetten werden nach seinen Entwürfen angefertigt. Er erhält eine Wohnung in der Burg und wird der erste Herbergsvater

1912
Ausländische Gäste aus Holland, Belgien und England, Dänemark, Österreich in der JH Burg Altena - zumeist Pressevertreter. Erstes JH-Verzeichnis, gedruckt von Wilhelm Trippe/Altena, Verfasser R. Schirrmann

1913
83 JHen mit 21337 Übernachtungen

1914
Die Jugendherbergssache ist mittlerweile weit über das Sauerland hinausgewachsen und löst sich vom SGV und wird selbstständig: "Hauptausschuß für deutsche Jugendherbergen" mit der Geschäftsstelle in Hilchenbach

1914 - 1918
Richard Schirrmann kämpft als Soldat im ersten Weltkrieg an der französischen Front, von den Vogesen bis Flandern - unvergessliche Kriegserlebnisse, die den Grundgedanken für das internationale JH-Werk legen. Richard Schirrmann überträgt die Leitung der JH Burg Altena und die Erledigung aller JH-Angelegenheiten seinem Vater, mit dem er während des gesamten Krieges in regem diesbezüglichem Briefverkehr steht, ab 1917 Julius Schult

Mai 1915 - 1919
W. Münker kampft als Soldat in Rußland, liegt zweimal im Lazarett. Während eines mehr als einjährigen Aufenthaltes bis 1919 in einer Heilstätte in Oberbayern legt er von dort aus den Grund zur Bildung von 25 "Zweigausschüssen", heute Landesverbände

1918/1919
R. Schirmnann und W. Münker organisieren Betten, Decken, Geschirr und auch mehr aus Heeresbeständen für die Jugendherbergen

1919
W. Münker gibt seinen ursprünglichen Beruf, Mitleitung einer Fabrik, ganz auf, und stellt sein Haus, sein Vermögen und seine ganze Kraft in den Dienst der Jugend. Er arbeitet als völlig ehrenamtlicher Hauptgeschäftsführer des DJH

02.11.1919
Auf Burg Altena findet die förmliche Gründung statt: Zentraler Hauptausschuß für Jugendherbergen, 1. Vorsitzende R. Schirrmann, Geschäftsführer W. Münker

August 1920
Das Herbergsverzeichnis enthält über 700 JHen, Erste Nummer der Zeitschrift "Jugendherberge", Schriftleitung Julius Schult. 43403 Übernachtungen im Bereich Sauerland

15.12.1924
W. Münker gibt seinen bisherigen Geschäftsführerposten im Erstlings-Landesverband Sauerland auf und wird Hauptgeschäftsführer auf Reichsebene

1925
Richard Schirrmann gründet das Kinderdorf "Staumühle" in ehemaligen Militärbaracken (25 Baracken mit 1000 Betten) auf dem Truppenübungsplatz in der Senne bei Paderborn - bis 1932. Richard Schirrmann: "Am hellen Tag kam mir ein Traumgesicht. Ich sah alle Truppenübungsplätze in Deutschland, Frankreich, England, Belgien, Holland, Italien, Polen, Rußland, Amerika und in der ganzen Welt abgebaut und in Kinderdörfer und Freiluftschulen verwandelt und statt mit Soldaten mit Millionen froher gesunder Kinder gefüllt. Da war Friede unter den Menschen auf der ganzen Erde." Er entwarf als Symbol: "In einem alten Soldatenhelm nistende Friedensvögel"

1926
Nach der Inflation entstehen mehr und mehr JH-Neubauten: R. Schirrmann schreibt eine Abhandlung "Wie ich mir das Jugendherbergshaus als Neubau denke"

19.11.1926
R. Schirrmann legt seinen Vorsitz im Landesverband Sauerland nieder, um sich voll seiner Arbeit als erster Vorsitzender im Reichsverband zu widmen

1929
Scheidung. Zweite Ehe mit Frau Elisabeth Borbeck. Geburt des ersten Sohnes. Bis 1942 sechs Kinder

1930
2100 Jugendherbergen in Deutschland

1932
2124 Jugendherbergen in Deutschland mit 4 278 595 Übernachtungen

20. bis 22.10.1932
Gründungsversammlung der "Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Jugendherbergen" - IAJH, später IYHF in Amsterdam mit elf europäischen Ländern:

Januar 1933
Die Nationalsozialistische Partei kommt durch demokratische Wahl an die Regierung

10.04.1933
Erzwungene Übernahme des DJH-Werkes durch die Nationalsozialisten. Vertreter des "Reichsjugendführers" von Schirach fordern R. Schirrmann und W.Münker in Altena auf, mit sofortiger Wirkung das Jugendherbergswerk der Reichsführung zu unterstellen und den Vorsitz sowie den Geschäftsposten aufzugeben, sonst würden alle Jugendherbergen geschlossen und die 25 Landesverbände von Parteifunktionären übernommen

12.04.1933
R. Schirrmann und W. Münker sind nach Bad Kösen beordert worden. V. Schirach teilt ihnen mit, daß der JH-Verband als "Abteilung" der Reichsjugendführung unterstellt wird mit Geschäftsstelle in Berlin ab August 1933. R. Schirrmanns Nachfolger wird Johs. Rodatz, ein Freund und Parteigenosse von Schirachs. Eine Fabrik, die Rodatz maßgeblich mitgeleitet hatte, war 1932 bankrott gegangen.

28.09 1933
W. Münker tritt als Geschaftsführer zurück und scheidet aus dem JH-Werk aus. Sein Nachfolger wird Max Kochskämper

Oktober 1933
Zweite internationale JH-Konferenz in Bad Godesberg/Deutschland. Richard Schirrmann wird zu ihrem ersten Präsidenten gewählt - bis zum durch die Nazis erzwungenen Rücktritt 1937, Konferenzsprache ist Deutsch.

23.05.1935
Einweihung der Jugendherberge Burg Altena zur "Weltjugendherberge"

15.03.1937
Umzug nach Grävenwiesbach, vollständiges Ausscheiden aus dem DJH und IAJH/IYHF. Der Kontakt zu Mitarbeitern im In- und Ausland besteht weiter, ist aber kompliziert, da Schirrmanns Post immer noch kontrolliert wird

1939 - 1945
Richard Schirrmann unterrichtet an der Volksschule in Grävenwiesbach

April 1945
Der 2. Weltkrieg ist beendet. Richard Schirrmann nimmt Verbindung zu ehemaligen Mitarbeitern und zu den militärischen Verwaltungen auf, besucht ehemalige Jugendherbergen und macht Bestandsaufnahme, um das JH-Werk wieder aufzubauen. Desgleichen Wilhelm Münker im Raum Westfalen.

2. - 9.Sept. 1946
Achte Internationale Jugendherbergs-Konferenz, die erste nach dem Krieg, in Loch Lomond/Schottland, aber ohne Deutschland. Richard Schirrmann fliegt mit Hilfe des Gründers des Amerikanischen Jugendherbergswerkes Monroe Smith in einer Privatmaschine zur Konferenz, und ist somit der erste Zivildeutsche, der nach 1945 englischen Boden betritt. Die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Jugendherbergen = IAJH wird umbenannt in International Youth Hostelling Federation = IYHF. Die Konferenz-Sprache ist von nun an Englisch.

30.10.1949
Neugründung des deutschen Jugendherbergswerkes anläßlich einer Feierstunde auf Burg Altena. Richard Schirrmann wird zum Ehrenpräsidenten und Wilhelm Münker zum Ehrenmitglied ernannt. Bis zuletzt galt R. Schirrmanns Denken und Schaffen dem Jugendherbergswerk und dem Werben für seine Idee, dessen internationaler Gedanke: "Friedenswandern von Volk zu Volk" und "Jugendherbergen auf der ganzen Welt als Friedensbrückenbauten" ihm seit dem zweiten Weltkrieg immer stärker am Herzen lag.

14.12.1961
Richard Schirrmann stirbt im Alter von 87 Jahren. Sein letzter Gedanke an seine Frau in der Nacht zum 14.12. war: "Sieh zu, daß der Jugendherbergsgedanke nicht verwässert wird."

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